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Zara II

☼ 20. April 1989

Vollblutaraber-Stute (polnisch), Stockmaß: 143,5 cm

Züchterin: Barbara Burggraf, Besitzerin: Vivien Sonnek

 Zara II

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Vor 13 Jahren ging für mich der Traum eines fast jeden Mädchens in Form eines schneeweißen Pferdes mit Barbie-Pferdemähne in Erfüllung: Zara kam zu uns.

Ursprünglich sollte sie nicht mein eigenes Pferd werden, was mich nicht sonderlich störte, da sie trotzdem (unter anderem) für mich zum Reiten gekauft wurde, und behandelte sie so, als wäre sie mein Pferd. Für mich gab es nur noch Zara hier und Zara dort. Meine Euphorie über die Ankunft unseres Neulings wollte jedoch keiner so recht mit mir teilen.

„Was habt ihr´n euch da für´n Esel angeschafft?!“ Mit diesem Kommentar und ähnlichen wurde meine Mutter des Öfteren zu ihrem neuen Besitz beglückwünscht. Sie verteidigte sich stets schulterzuckend, sie hätte das Pferd nicht ausgesucht, aber ihre Tochter hätte es unbedingt haben wollen. Keiner traute sich jedoch, diese Kommentare direkt an mich zu richten. Sie wollten es nicht riskieren, den Zorn einer Achtjährigen auf sich zu lenken, deren neues Lieblingspferd sie gerade beleidigt hatten. Sehr klug von ihnen!

Objektiv betrachtet, hätte ich jenen Zweiflern wohl Recht geben müssen. Zara war in einem erbärmlichen Zustand. Sie war rippig, ihre lange Mähne und ihr buschiger Schweif waren struppig und ihr Fell wirkte stumpf. Viel schlimmer aber noch war, wie sie sich benahm. Sie stand abseits mit hängendem Kopf und wirkte so teilnahmslos, als hätte sie mit all dem, was um sie herum geschah, nicht das Geringste zu tun. So weit zur objektiven Betrachtung, an der ich mich nicht beteiligte. Für mich war Zara eine strahlende Schönheit, denn ich sah das, was unter diesem traurigen Anblick lag.

Mit viel Geduld, Zeit und Zuversicht bemühte ich mich, ihr Vertrauen zu gewinnen. Ich ließ mich nicht einmal davon entmutigen, dass Zara sich nicht einfangen lassen wollte und sich das erste halbe Jahr ans andere Ende der Koppel begab, sobald sie einen Menschen sah, der sich ihr mit einem Halfter näherte. Meiner Mutter war die Freude, stolze Besitzerin dieser scheuen, aber durchaus flinken Stute zu sein, immer dann besonders anzusehen, wenn sie mir mal wieder half, jene Stute, die vor Aufregung bereits zu schwitzen begann, unter Zuhilfenahme einer Longe in eine Ecke zu treiben, um sie aufhalftern zu können. Wenn es mir erst einmal gelungen war, sie einzufangen, war sie sanftmütig und folgte brav einem achtjährigen Mädchen am Strick. Wir beide wurden zu „einem Herz und einer Seele“ , wie meine Mutter uns später gerne beschrieb, aber bis dahin umrundete der Mond noch einige Male unsere Erde.

In der ersten Woche nach ihrer Ankunft bei uns traute sich Zara nicht einmal, zum Fressen in ihre Box zu laufen. Selbst in den Wochen danach rannte sie wie ein geölter Blitz heraus, sobald sie ein unheimliches Geräusch vernahm – und das konnte durchaus eine Katze sein, die über ihr Dach lief...

Es dauerte ungefähr ein halbes Jahr bis sie beim Einfangen auf der Koppel nicht mehr vor mir flüchtete und es dauerte fast ein weiteres halbes Jahr bis ich sie nicht mehr einfangen musste, weil sie auf Zuruf kam. Es hat lange gedauert, Zara´s Vertrauen zu gewinnen, aber es hat sich gelohnt. Auch meine Mutter stand mittlerweile schon das ein oder andere Mal stolz neben ihr und sagte: „Ja, ja, unsere Zara!“ Da kann ich mir mit breitem Grinsen ein „Unsere Zara?“ nicht verkneifen – ja, seit einigen Jahren gehört sie nun offiziell mir und für kein Geld der Welt würde ich sie jemals verkaufen!


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